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Mini-Anteile an Wohnungen sollen neue Anlageform werden

Für Anleger, die aus Zeit- oder Geldgründen nicht in ein komplettes Haus investieren wollen oder können, hat sich vor Kurzem eine neue Alternative auf dem Immobilieninvestmentmarkt ergeben. So haben Investoren in Zukunft die Möglichkeit, auch kleinste Anteile von Immobilien – sogenannte Bricks – zu erwerben. Die Plattform dafür liefert das Kölner Startup Brickbuy.

Wie funktioniert Brickbuy?

Eigentümer von privaten Immobilien können über das Startup bis zu 49 Prozent ihres Wohneigentums als Anteile an Anleger verkaufen. Dafür zerlegt Brickbuy die Wohnung zunächst in sogenannte „Bricks“, die jeweils 1/10 Quadratmeter der entsprechenden Immobilie repräsentieren. Der Vorteil: Anleger können diese Bricks vergünstigt erwerben. Sie zahlen den ermittelten Quadratmeterpreis der Eigentumswohnung mit einem Abschlag von 18 Prozent. Weiterhin müssen sich Brick-Besitzer nicht an den laufenden Kosten oder der Grunderwerbsteuer für die Immobilie beteiligen. Diese werden weiterhin vom Eigentümer der behandelten Immobilie getragen. Dadurch sollen Kleinanleger von einer langfristigen Wertsteigerung der Immobilie profitieren können.

Keine Risiko-Diversifizierung bei Anteilskäufen

Ziel des Unternehmens ist es laut Gründer Fausto Lorfeo, aus Immobilien ein handelbares Finanzprodukt zu machen: „Wir nennen Immobilien ‚Beton-Gold‘, aber bis dato gibt es nicht die Liquidität und Handelbarkeit, die es für Gold gibt. Das möchten wir ändern und gleichzeitig Zugang zu Immobilieninvestments für jeden eröffnen“, erklärt Lorfeo im Rahmen eines Interviews mit deutsche-startups.de.

Wirtschaftswissenschaftler Prof. Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der Uni Regensburg, steht dem jedoch sehr kritisch gegenüber, wie er im Gespräch mit procontra betont. Das Problem: Bei dieser Form der Geldanlage gibt es laut dem Experten keine ausreichende Risiko-Diversifizierung, denn Anleger investieren ihr Geld nur in eine einzige Wohnung. Auch die Ausstiegsmöglichkeiten für den Anleger bei Wertverlust der Immobilie seien seiner Ansicht nach sehr schlecht, da eine erneute Wertsteigerung der Immobilie in dem kurzen Vertragszeitraum für den Experten unwahrscheinlich erscheint.

Das größte Problem sieht der Wirtschaftswissenschaftler jedoch in der fehlenden Erfahrung der adressierten Anleger: “Vor allem stört mich, dass hier offenbar ganz gezielt Kleinanleger angesprochen werden sollen, die selbst ja kaum eine Möglichkeit haben, die Werthaltigkeit einer Immobilie zu beurteilen”, betont der Experte im Interview.

Frühzeitiger Ausstieg aus dem Vertrag ist möglich

In der Regel wird ein Brickbuy-Vertrag mit dem Immobilieneigentümer für eine Vertragsdauer von 20 Jahren geschlossen. Nach Ablauf dieser Frist ist der Eigentümer dazu verpflichtet, die verkauften Anteile von den Anlegern zum aktuellen Marktwert zurückzukaufen. Alternativ kann der Inhaber die Immobilie auch verkaufen und die Anleger entsprechend dem Anteil an der Immobilie prozentual am Verkaufserlös beteiligen.

Wenn eine Wohnung zum Zeitpunkt des Verkaufs einen Quadratmeterwert von 6.000 Euro besitzt, hat der Investor aufgrund der Vergünstigung von 18 Prozent 4.920 Euro an den Eigentümer gezahlt. Wird die Wohnung 20 Jahre später bei einem herrschenden Quadratmeterpreis von 9.000 Euro verkauft, erhält der Anleger für seinen Quadratmeter 9.000 Euro – ohne dabei weitere Kosten für die Instandhaltung der Immobilie auf sich genommen zu haben.

Dabei ist es laut Angaben der Unternehmenswebsite kein Problem, frühzeitig aus dem Vertrag auszusteigen. Denn auch vor Ablauf der Vertragsdauer erhält der Anleger den vollen Auszahlungsbetrag für seine Beteiligung. Das heißt: Hat ein Anleger vor, seine Anteile an einer Brickbuy-Wohnung zu verkaufen, kann er diese laut dem Kölner Startup auf dem Marktplatz des Unternehmens weiter veräußern. Auch der Eigentümer hat die Möglichkeit, seine Wohnung zu verkaufen. Dies kann jedoch frühestens nach fünf Jahren geschehen; die Anleger werden prozentual am Verkaufserlös beteiligt.

Kontinuierliche Wertermittlung durch Partnerschaft

Um die Anleger in Bezug auf die Immobilie weiter abzusichern, kann der Eigentümer den Verkaufspreis seiner Wohnung nicht selbst bestimmen. Im Zuge einer Zusammenarbeit mit Immobilienscout24 werden laut Brickbuy die aktuellen Marktwerte der gehandelten Immobilien laufend ermittelt und den Anlegern und Eigentümern in einer Detailansicht zur Verfügung gestellt. Dies macht die Preisentwicklung nicht nur transparent, sondern legt auch einen bestimmten Mindestpreis fest, der bei einem Verkauf der Immobilie mindestens erreicht werden muss.

Im Übrigen berechnet Brickbuy für jede durchgeführte Transaktion eine Provision von 3,57 Prozent.

Bildquellen: Sensay / Shutterstock.com