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Trotz Corona und Home-Office: Das Büro stirbt nicht aus

Aktuell befindet sich ein Großteil der Angestellten wegen der Corona-Krise im Home-Office. Da viele Mitarbeiter mit der Arbeit von zu Hause sehr zufrieden sind, überlegen einige Unternehmen das Konzept des Home-Office auch aufgrund der hohen Mieten für Büroflächen weiter auszubauen. Experten sind sich jedoch einig: Das Büro wird auch in Zukunft nicht aussterben.

Großteil der Mitarbeiter im Home-Office

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden die Mitarbeiter vieler Arbeitgeber ins Home-Office geschickt. In einer Befragung von 800 Personalleitern hat das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) im zweiten Quartal des Jahres festgestellt, dass aktuell circa 61 Prozent der Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten; vor der Corona-Krise waren es nur 39 Prozent. Das Home-Office-Potenzial sei aber laut der ifo noch lange nicht ausgeschöpft. So schätzt das Wirtschaftsinstitut, dass rund 80 Prozent der Firmen Home-Office-Arbeitsplätze anbieten könnten. Enorme Steigerungen in den Home-Office-Raten sieht man den Experten zufolge vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor. So stieg der Home-Office-Anteil bei ersterem auf 70 Prozent, bei den Dienstleistern wuchs die Zahl der Firmen, bei denen zumindest 50 Prozent des Personals von zu Hause arbeitet, auf 15 Prozent.

Anmietungsaktivität der deutschen Büromärkte gedämpft

Auch der Immobiliendienstleister Savills beschreibt in seinem „Market in Minutes Bericht“ vom Oktober 2020 ähnliche Tendenzen. So ergab sich bei Betrachtung der Top-7-Büromärkte in den Monaten Juli bis September ein Flächenumsatz von knapp 600.000 Quadratmetern. Auch wenn die Größe der gemieteten Bürofläche gegenüber dem zweiten Quartal 2020 geringfügig gestiegen ist, entspricht dieser Wert laut Savills nur circa der Hälfte des durchschnittlichen Büroflächenumsatzes der letzten fünf Jahre.

Mitarbeiter sind zufrieden im Home-Office

Eine Studie der TH Köln, bei der 903 Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen – Industrie, Handwerk, Dienstleistung, Handel und Öffentlicher Dienst – zu ihrer Arbeit im Home-Office befragt wurden, zeigt, dass viele Mitarbeiter mit der aktuellen Arbeitssituation sehr glücklich sind. 74 Prozent der befragten Berufstätigen gaben an, zufrieden oder sehr zufrieden mit der Arbeit von zu Hause aus zu sein, nur fünf Prozent der Befragten bezeichneten sich als unzufrieden.

Unternehmen wollen an Home-Office festhalten

Einige große Unternehmen spielen daher bereits mit dem Gedanken, die Arbeit im Home-Office drastisch auszuweiten oder sogar gänzlich auf Home-Office umzusteigen. „Die positiven Erfahrungen der letzten Wochen haben gezeigt, dass wir Homeoffice künftig noch häufiger einsetzen können”, erklärte jüngst der Energieversorger E.ON gegenüber dem Nachrichtenportal Spiegel. Auch andere Unternehmen wie Siemens begrüßen die Vorteile des Home-Office: “Wir haben gesehen, wie produktiv und effektiv das mobile Arbeiten sein kann“, sagt Jochen Wallisch, führender Manager im Personalbereich von Siemens, gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Büros sollen weiterhin bestehen bleiben

Trotzdem will der Großteil der 30 DAX-Konzerne das Büro laut den Umfragen des Spiegels nicht vollends abschaffen: “Wer aus psychischen Gründen wieder ins Büro will oder zu Hause nicht gut arbeiten kann, soll […] ins Büro zurückkehren können”, betont SAP in seinem Statement. Und auch andere Großkonzerne wie BMW oder VW planen, den Mitarbeitern auch weiterhin Büroarbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.

Timo Herzberg, Vorstand des Handelskonzerns Signa, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Das Büro wird Zentrum des Arbeitsplatzes bleiben“, betont der Experte nach Angaben der Welt. Als Begründung dafür führt der Signa-Vorstand gleich mehrere Punkte an: Zum einen sei es für die Unternehmen schwer messbar, wie effizient das Arbeiten von zu Hause wirklich ist. Außerdem führen Büros laut dem Experten – anders als die Arbeit im Home-Office – dazu, dass sich die Mitarbeiter dem Konzern zugehörig fühlen und sich mit dem Unternehmen identifizieren. Auch führt er laut der Welt an, dass viele Menschen vor allem in Großstädten keine guten Arbeitsbedingungen wegen fehlenden Arbeitszimmern hätten.

Der Vorstandsvorsitzende der Immobilienbank Berlin Hyp, Sascha Klaus, betrachtet das Alles nochmal von einem ganz anderen Gesichtspunkt, wie er gegenüber der Haufe-Group erklärt. Laut ihm seien Büros vor allem aus sozialen Gründen wichtig, denn “der direkte, persönliche Austausch unter Mitarbeitern kommt sonst zu kurz”, betont der Experte im Interview.

Zukunft fordert flexiblere Arbeitsplatzgestaltung

Generell gilt jedoch: Die konkrete Arbeitsplatzgestaltung im Büro wird sich in Zukunft gravierend verändern. “Ziel aller Arbeitnehmer und -geber sollte sein, dass aus der Restrukturierung mittel- bis langfristig eine neue Routine entsteht, die den gewachsenen Anforderungen gerecht wird“, betont Panajotis Aspiotis, Managing Director bei Savills. Auch Siemens teilt die Meinung des Immobilienexperten, wie der Konzern gegenüber dem Spiegel verrät: “Es geht uns nicht darum, die Büros abzuschaffen, sondern aufgaben- und situationsspezifisch eine andere, selbstbestimmtere und flexiblere Kombination von Arbeitsorten zuzulassen.” Die Umgestaltung der Arbeitsplätze zu Orten, die sich flexibel an die jeweilige Arbeitssituation anpassen können, steht also vor allem im Fokus der DAX-Unternehmen, nicht jedoch das gänzliche Abschaffen der Büros.

Bildquellen: ImageFlow/Shutterstock.com