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Urbane Utopien – So stellen sich Architekten die Stadt der Zukunft vor

Wie werden wir in naher oder ferner Zukunft leben? Architekten machen weltweit Vorschläge, wie sich zukünftiges Leben und Wohnen mit Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Natur verbinden lassen. Hierbei stellt sich die Frage, ob es sich um Utopie oder tatsächliche Umsetzbarkeit handelt. Einige Visionen gibt es bereits.

Hyperions – Hölzerne Hochhäuser

Vincent Callebaut ist ein belgisch-französischer Architekt, der besondere Objekte in seinen Projekten präsentiert. Realitätsfern wirken besonders die Hyperions, die in ihrer Darstellung wie gigantische Bäume aussehen und aus Holz bestehen sollen. Diese sechs sogenannten „Garden Towers“ sind dynamisch geformt und stehen mit etwas Abstand in einem Oval. Um die Versorgung der Bewohner zu gewährleisten, sollen Solar-Fassaden und Gärten angelegt werden. Der Wohnkomplex kann sich, wie eine kleine Stadt, selbst mit Energie und Nahrung versorgen. Hierbei sei das Ziel, mehr Energie zu produzieren als zu verbrauchen. Die Hyperions bieten Platz für Wohn- und Arbeitsräume. Allerdings befindet sich das Mega-Projekt noch in der schematischen Planungsphase und ist noch weit von einem tatsächlichen Baustart entfernt.

Aequorea – Tauchende Hochhäuser

Für das Leben auf dem Wasser hat Callebaut etwas Spezielles kreiert: Die Ozeankratzer Aequorea, benannt nach einer Quallen-Art, entwarf er unter anderem für die Küste Rio de Janeiros. Bei diesem Projekt steht die urbane Welt auf dem Kopf, denn durch tiefreichende „Arme“ bieten diese Inselhäuser auch in der Tiefe des Meeres Räumlichkeiten. Der Gebäudekomplex soll vollständig aus einer Müll- und Algenmixtur bestehen und mit einem 3-D-Drucker gefertigt werden. Energiequellen werden durch innovative Technologien gewährleistet, indem grünalgenbasierte Bioreaktoren über eine Aquarienwand für Wärme sorgen und organische Abfälle recyceln. Gleichzeitig können die Algen unter anderem durch Photosynthese Energie erzeugen. Um die Inselhäuser zu verlassen werden Boote genutzt, die mit Treibstoff auf Algenbasis oder durch Kohlenwasserstoff angetrieben werden. Auch diese ökologische Gebäudelandschaft befindet sich aktuell noch in der Forschungsphase und in der Entwicklung durch den Architekten.

Youngs fiktive Städte

Der Filmemacher und Architekt Liam Young zeigt in seinen Kurzfilmen selbst erschaffene, eher düstere Städte, die weniger grün angelegt sind als die Designs von Callebaut. Dabei zeigt er die urbane Zukunft, wie sie aussehen könnte, wenn die Menschheit ihr derzeitiges Verhalten unverändert fortführen würde. Hauptsächlich fällt in seinen Videos auf, dass die Verbindung zur Natur in der Stadt gänzlich verloren gegangen ist. Müll häuft sich im Gewässer, viele Anzeigen blinken, außerdem ist die Sicht durch Smog verhängt und durch eine große Ansammlung an Wolkenkratzern im Allgemeinen beschränkt. Mit seinem Team erarbeitet er diese Zukunftsszenarios und zeigt damit, wie sehr unsere Zukunft von Technologie beeinflusst sein könnte.

Eine Öko-Stadt in Abu Dhabi

Masdar-City befindet sich seit dem Jahr 2008 in der Bauphase. Die Stadt sollte Vorreiter für eine ökologische Zukunft werden. Emissionen sollen hier durch den Verzicht auf Autos und durch die Stromversorgung über erneuerbare Energien vermieden werden. Ein neues Recyclingsystem soll Abfallstoffe minimalisieren. Im Vorjahr sollte das Vorzeigeprojekt fertiggestellt werden, jedoch wurden der Bau unterbrochen und das Projekt für 2030 neu datiert. Unter Anderem müssen die Visionäre der Öko-Stadt auf die geplante Erdwärme-Energie verzichten, ebenso wie auf das innerstädtische, autonome Transportmittel.

Die für 47.500 Einwohner geplante Stadt steht also noch ganz am Anfang, aber erste Bereiche, mitunter Büroräume, können bereits genutzt werden. So sind aktuell Siemens, eine Energieagentur und Teile des Masdar Instituts vor Ort. Die angesteuerten Energiewerte können zwar schon durch innovative Neuerungen eingehalten werden, dennoch bleiben einige Aspekte des Plans momentan urbane Utopie. Nach und nach sollen mehr Gebäudekomplexe und Nachbarschaften entstehen, welche die Öko-Stadt erweitern.

Vergangene Vision

Dass innovative, urbane Vorhaben nicht immer erfolgreich umgesetzt werden, lässt sich auch beispielhaft an einem Projekt von Walt Disneys zeigen. Der Erfinder von Micky Maus empfand Großstädte als umwelt- und lebensfeindlich, woraufhin er ein großes Gebiet in Florida kaufte, um eine Vision umzusetzen: Sein Projekt, Experimental Prototype Community of Tomorrow, sollte eine moderne Stadtgemeinschaft werden, welche kreisförmig und zur Mitte zentriert gestaltet wurde. Das Stadtzentrum wollte er mit Verwaltung und Geschäften in der Mitte bündeln, durch einen Park abgegrenzt lägen die Wohnräume der bis zu 20.000 Bewohner am äußeren Ring. Nach seinem Tod 1966 wurde das gewagte Projekt jedoch durch die Unternehmensverwalter eingestellt.

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